Umstellungsosteotomie
Achsabweichungen wie O- oder X-Beine können mit einer Umstellungsosteotomie korrigiert werden, um Gelenkschäden zu verhindern.
Achsabweichungen der Beine: O- und X-Beine und ihre Behandlung
Achsabweichungen der Beine, ob nun als O- oder X-Bein, kommen in der Bevölkerung häufig vor. Sicherlich war das prominenteste O-Bein Pierre Littbarski, der mit diesen Beinen regelmäßig die Gegner schwindelig spielte. Doch auch wenn es schön anzusehen war, wenn er mit seinen Dribblings durch die gegnerischen Reihen tanzte, so führt die Fehlbelastung durch diese Achsabweichung zu einer permanenten Überlastung des inneren Kniekompartiments. Bereits ab 4° Varusabweichung (O-Bein) kommt es zu einer 100%igen Belastung des Innenbereiches, was in der Folge zu einer zunehmenden Knorpelschädigung bis hin zur Arthrose des betroffenen Kniebereiches führt. Und ähnlich verhält es sich für X-Beinstellungen des Beines. Auch hier führt die Mehrbelastung eines Kompartiments langfristig zu einem zunehmenden degenerativen Schaden. Unbehandelt können diese Fehlstellungen dann aufgrund der Arthrose zum endoprothetischen Ersatz führen, was gerade beim Patienten unter 65 Jahren eigentlich vermieden werden sollte.
Umstellungsosteotomie – Die Lösung für Achsabweichungen
Um eine Endoprothese zu vermeiden bzw. aufzuschieben, ist die Umstellungsosteotomie Mittel der Wahl. Bei einer Osteotomie handelt es sich um die Durchtrennung eines Knochens. Im Fall einer Umstellungsosteotomie ist das Ziel die Korrektur der Beinachse, sodass das geschädigte Kompartiment entlastet und die Beinachse begradigt wird. Aber auch Rotationsfehlstellungen oder Slopeveränderungen sind durch eine Osteotomie zu korrigieren.
Indikationen für eine Umstellungsosteotomie
- symptomatische einseitige Knorpelschädigung III°
- einseitige Arthrose im Knie (innen- oder außenseitig) kombiniert mit Achsfehlstellung
- Verdrehung des Knochens an Ober- und Unterschenkel (Torsionsabweichung)
- Instabilitäten am Kniegelenk (bei wiederholten Rissen des Kreuzbandes)
- Kniescheibenprobleme und wiederholte Kniescheibenverrenkung
Diagnose und Vorbereitungen
Vorab kann bei Vorliegen einer Achsfehlstellung ein sogenannter „Bracetest“ durchgeführt werden, bei dem das betroffene Bein mit einer Korrekturorthese für eine gewisse Zeit versorgt wird. Ein positives Ergebnis kann den wahrscheinlichen Erfolg einer Korrekturosteotomie anzeigen; jedoch lässt ein negatives Ergebnis keine Rückschlüsse auf den möglichen Erfolg einer Osteotomie zu!
Präoperative Planung
Präoperativ wird die Achsfehlstellung anhand einer Ganzbeinstandaufnahme ausgemessen sowie die Gelenk- und der Osteotomiewinkel bestimmt. Ferner wird anhand der Aufnahme geschaut, ob die zu korrigierende Fehlstellung am Ober- oder Unterschenkel liegt und ob eine öffnende oder zuklappende Osteotomie durchgeführt werden muss.
Durchführung der Osteotomie
Für die Osteotomie wird ein ca. sechs bis acht Zentimeter langer Hautschnitt an Ober- oder Unterschenkel gesetzt. Je nach geplanter Achskorrektur wird dieser Schnitt an der Innen- oder Außenseite durchgeführt. Wenn der Knochen erreicht ist, werden im Verlauf der geplanten Osteotomie zwei parallele Drähte in den Knochen bis an die gegenüberliegende Kortikalis gebohrt, die als Führungsschienen für die Osteotomie dienen. Anschließend wird der Knochen entweder von einer Seite bis kurz vor die gegenüberliegende Knochenkante durchtrennt und soweit aufgespreizt, bis die gewünschte Korrektur erreicht ist (aufklappende Osteotomie) oder es wird ein Keil aus dem Knochen entnommen und anschließend der Knochen zugeklappt (zuklappende Osteotomie). Das erzielte Ergebnis wird mit einer Platte fixiert. In einigen Fällen kann der verbleibende Osteotomiespalt mit Spongiosachips gefüllt werden, um den knöchernen Durchbau zu beschleunigen. Die Entfernung der Platte kann nach ca. 18 Monaten erfolgen.
Postoperative Betreuung und Rehabilitation
Postoperativ wird das operierte Bein hochgelagert und gekühlt. Die Mobilisation ist an Unterarmgehstützen anfangs auf 20kg Teilbelastung beschränkt und kann nach ungefähr zehn Tagen auf 50% Körpergewicht für vier Wochen gesteigert werden. Ab der sechsten Woche postoperativ kann das Bein schmerzabhängig wieder voll belastet werden, allerdings ist mit einer knöchernen Durchbauung frühestens nach sechs Monaten zu rechnen. Röntgenkontrollen werden nach sechs Wochen und nach einem Jahr routinemäßig durchgeführt.